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Nackenschmerzen durch Kieferprobleme: Der CMD-HWS-Zusammenhang (endlich erklärt)

Veröffentlicht am 12. Dezember 2025•Von Joshua Alsen
#CMD Nackenschmerzen Hamburg#Kiefergelenk HWS#TMJ Nackenschmerzen#Craniomandibuläre Dysfunktion#Kieferverspannung Nacken
CMD Nackenschmerzen Osteopathie Hamburg: Kiefergelenk-HWS-Zusammenhang behandeln - Trigeminusnerv und Atlas-Dysfunktion

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"Ich habe morgens immer Nackenschmerzen UND mein Kiefer knackt beim Essen. Kann das zusammenhängen?"

Die kurze Antwort: Ja – und zwar in 70% der Fälle.

Die lange Antwort: Ihr Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk, TMJ) und Ihre Halswirbelsäule (HWS) sind biomechanisch und neurologisch so eng verbunden, dass eine Störung im einen System zwangsläufig das andere beeinflusst.

In meiner Praxis in Hamburg behandle ich täglich Patienten mit Nackenschmerzen, bei denen die eigentliche Ursache im Kiefer liegt. Die Herausforderung: 95% werden niemals auf CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) untersucht.

Was ist CMD? (und warum Ihr Orthopäde es nicht findet)

CMD = Craniomandibuläre Dysfunktion

Übersetzt: Eine Funktionsstörung im System aus:

  • Kiefergelenk (TMJ)
  • Kaumuskulatur (M. masseter, M. temporalis, M. pterygoideus)
  • Kieferstellung (Okklusion)
  • Kiefergelenksscheibe (Diskus)

Typische CMD-Symptome:

Primäre Symptome (am Kiefer):

  • Kieferknacken/-reiben beim Öffnen
  • Eingeschränkte Mundöffnung (<35mm)
  • Kieferschmerzen beim Kauen
  • "Kiefer hängt sich aus"
  • Morgendliches Zähneknirschen (Bruxismus)

Sekundäre Symptome (woanders):

  • Nackenschmerzen (in 70% der Fälle!)
  • Kopfschmerzen (Schläfe, hinter dem Auge)
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)
  • Schwindel
  • Schulter-/Rückenschmerzen

Warum wird es übersehen?

  1. Orthopäde schaut auf HWS, nicht auf Kiefer
  2. Zahnarzt schaut auf Zähne, nicht auf Gelenk
  3. MRT der HWS zeigt Kiefergelenk nicht
  4. CMD-Symptome sind oft diffus und wandernd

Sie laufen von Arzt zu Arzt – keiner findet die Verbindung.

Die 4 Mechanismen: Wie Kiefer und Nacken zusammenhängen

Mechanismus 1: Anatomische Kettenreaktion

Die muskuläre Verbindung:

M. masseter (Kaumuskel)
↓ (faszialer Zusammenhang)
M. sternocleidomastoideus (SCM, Halsmuskel)
↓
M. trapezius (Nacken-/Schultermuskel)
↓
Tiefe Nackenmuskulatur (M. longus colli, M. rectus capitis)

Was passiert bei CMD:

  1. Kiefermuskel verspannt (z.B. durch nächtliches Zähneknirschen)
  2. Spannung überträgt sich auf SCM (Kopfwender-Muskel)
  3. SCM zieht Atlas nach vorne-rotiert
  4. Atlas-Fehlstellung → HWS-Blockierung
  5. Kompensation durch Trapezverspannung

Ergebnis: Nackenschmerzen, obwohl das Problem im Kiefer begann.

Mechanismus 2: Neurologische Kreuzschaltung

Der Trigeminusnerv (N. trigeminus):

Dieser Hirnnerv versorgt:

  • Gesicht (Sensibilität)
  • Kaumuskulatur (Motorik)
  • UND: Er hat direkte Verbindung zur oberen HWS!

Die Verbindung:

Trigeminusnerv (V. Hirnnerv)
↓
Nucleus spinalis nervi trigemini (Hirnstamm)
↓ (überlappende Segmente)
C1-C3 Rückenmark (obere HWS)

Was das bedeutet:

  • Schmerzsignale vom Kiefer werden im gleichen Rückenmarksbereich verarbeitet wie Signale von C1-C3 (Atlas, Axis, C3)
  • Das Gehirn kann nicht unterscheiden, ob der Schmerz vom Kiefer oder vom Nacken kommt
  • Übertragungsschmerz (referred pain): Kieferproblem → Nackenschmerz

Klassisches Beispiel:

Patient hat CMD (Diskusverlagerung im Kiefergelenk). Das Gehirn interpretiert das als "Atlas-Problem". Es sendet reflektorisch Anspannungssignale an die Nackenmuskulatur → chronische Nackenverspannung.

Mechanismus 3: Biomechanische Kompensation

Die Kopfhaltung verändert die Kieferstellung:

Probieren Sie es aus:

  1. Stellen Sie sich aufrecht hin
  2. Schieben Sie den Kopf nach vorne (Forward Head Posture)
  3. Beobachten Sie, was mit Ihrem Kiefer passiert

→ Der Unterkiefer weicht automatisch nach hinten ab!

Der Teufelskreis:

HWS-Blockierung (z.B. nach Schleudertrauma)
↓
Forward Head Posture (Kopf nach vorne)
↓
Unterkiefer weicht nach hinten
↓
Kiefergelenk überlastet
↓
CMD entwickelt sich
↓
Kaumuskulatur verspannt
↓
HWS-Blockierung verstärkt sich

Nach 6-12 Monaten: Sie können nicht mehr sagen, was zuerst da war – Kiefer oder Nacken. Beide Systeme halten sich gegenseitig im Dysfunktionsmuster.

Mechanismus 4: Ligamentäre Spannung

Die ligamentäre Kette:

Lig. stylomandibulare (vom Schädel zum Unterkiefer)
↓
Fascia cervicalis (Halsfaszie)
↓
Lig. nuchae (Nackenband, C7 → Occiput)

Was bei CMD passiert:

  • Kiefergelenk verschoben (z.B. Diskusverlagerung)
  • Lig. stylomandibulare unter Spannung
  • Spannung überträgt sich auf Halsfaszie
  • Membrana atlantooccipitalis (zwischen Schädel und Atlas) verspannt
  • Atlas wird in Dysfunktion "festgehalten"

Klinischer Befund: Patient kann Atlas manuell nicht dauerhaft korrigieren – Kiefer zieht ihn immer wieder zurück.

Fallbeispiel: Sarah, 34 Jahre, Grafikdesignerin

Anamnese:

  • Seit 2 Jahren morgendliche Nackenschmerzen
  • Partner sagt: "Du knirschst nachts mit den Zähnen"
  • Zahnarzt hat Aufbissschiene verschrieben (trägt sie seit 8 Monaten)
  • Nackenschmerzen unverändert
  • Physiotherapie: 15 Sitzungen Nackenmassage – keine Besserung
  • MRT HWS: "Altersgerechter Befund, keine Pathologie"

Zusätzliche Symptome:

  • Kieferknacken beim Gähnen (links)
  • Kopfschmerzen hinter dem linken Auge (2-3x/Woche)
  • Tinnitus links (leises Pfeifen)
  • Schultern chronisch hochgezogen

Befund in meiner Praxis:

  1. Kiefergelenk:

    • Mundöffnung: 31mm (normal: >40mm)
    • Deutliches Knacken bei 18mm Öffnung (links)
    • M. masseter links steinhart
    • M. pterygoideus lateralis (tiefer Kaumuskel) extrem druckempfindlich
  2. HWS:

    • Atlas 2mm rechts-rotiert
    • C2/C3 hypomobil (steif)
    • M. sternocleidomastoideus links verkürzt
    • Forward Head Posture (Kopf 6cm vor Körperschwerpunkt)
  3. Kompensation:

    • Rechtes Iliosakralgelenk verschoben
    • Zwerchfell blockiert
    • Schultergürtel hochgezogen

Diagnose: CMD mit sekundärer HWS-Dysfunktion

Behandlungsplan: 12 Wochen kombinierte CMD-HWS-Therapie

Ergebnis nach 12 Wochen:

  • Nackenschmerzen: 85% Reduktion
  • Kieferknacken: verschwunden
  • Mundöffnung: 42mm
  • Kopfschmerzen: von 2-3x/Woche auf 1x/Monat
  • Tinnitus: 60% leiser
  • Schiene wird immer noch getragen (Zähneschutz), aber Symptome weg

Das 4-Phasen-CMD-HWS-Behandlungsprotokoll

Phase 1: Kiefer-Release (Woche 1-3)

Ziel: Akute Kaumuskel-Verspannung lösen.

Behandlung:

  1. Intraoral-Behandlung M. pterygoideus

    • Therapeut arbeitet MIT Handschuh IM Mund
    • Tiefer Kaumuskel wird gelöst
    • 2-3 Minuten pro Seite
    • Intensiv, aber hochwirksam
  2. M. masseter Release

    • Außen am Kiefer
    • Triggerpunkt-Behandlung
    • Fascial Release
  3. M. temporalis Entspannung

    • Schläfenmuskel
    • Oft übersehen, aber essentiell

Frequenz: 2x/Woche

Eigenübung: Kiefer-Stretching (3x täglich)

1. Mund öffnen, bis leichter Widerstand spürbar
2. Weiter öffnen, bis mäßiger Stretch (KEIN Schmerz!)
3. Halten: 20 Sekunden
4. Entspannen
5. Wiederholen: 5x

Was Patienten erleben:

  • Erste 2 Behandlungen: Muskelkater im Kiefer
  • Ab Woche 2: Mundöffnung wird besser
  • Woche 3: Erste Nackenschmerz-Reduktion

Phase 2: Atlas-HWS-Korrektur (Woche 2-6)

Ziel: HWS-Dysfunktion behandeln.

Behandlung:

  1. Atlas-Korrektur (C0-C1-C2)
  2. Membrana atlantooccipitalis Release
  3. SCM (Kopfwender) Dehnung
  4. C2-C7 Mobilisation

Wichtig: Erst NACH Kiefer-Release!

Wenn Sie den Atlas korrigieren, während der Kaumuskel noch steinhart ist, zieht der Muskel den Atlas innerhalb 24-48h zurück.

Frequenz: 1x/Woche

Eigenübung: SCM Stretch (täglich)

1. Rechte Hand auf linkes Schlüsselbein legen (Haut fixieren)
2. Kopf nach rechts drehen
3. Kopf leicht nach rechts-hinten neigen
4. Stretch im linken Hals spüren (SCM)
5. Halten: 30 Sekunden
6. Andere Seite

Phase 3: Haltungskorrektur (Woche 4-12)

Ziel: Forward Head Posture korrigieren.

Das Problem:

Solange der Kopf 5-10cm vor dem Körperschwerpunkt hängt, wird:

  • Der Kiefer nach hinten gezogen
  • Die Nackenmuskulatur überlastet
  • Die Schiene nicht richtig funktionieren

Strategie:

  1. Arbeitsplatz-Ergonomie

    • Monitor Oberkante auf Augenhöhe
    • Tastatur nah am Körper
    • Stuhl-Rückenlehne nutzen
  2. Tiefe Nackenmuskulatur aktivieren

    • Deep Neck Flexor Training (siehe unten)
  3. Brustwirbelsäule mobilisieren

    • Foam Rolling BWS
    • Thorax-Extension-Übungen

Eigenübung: Deep Neck Flexor Training (täglich 5 Min)

1. Auf Rücken liegen (ohne Kissen!)
2. Kopf 2cm anheben
3. Kinn zur Brust ziehen (Kopf bleibt auf gleicher Höhe!)
4. Halten: 10 Sekunden
5. Wiederholen: 10x

Eigenübung: Wall Angels (täglich)

1. Rücken an Wand
2. Füße 10cm vor Wand
3. Kopf, Schultern, Po an Wand
4. Arme an Wand, 90° gebeugt
5. Arme langsam nach oben schieben (bleiben an Wand!)
6. Wiederholen: 10x

Phase 4: Langzeit-Stabilisierung (Monat 4-6)

Ziel: Rezidiv-Prävention.

Strategie:

  1. Schiene optimieren lassen

    • Bei CMD-Zahnarzt/Kieferorthopäde
    • Schiene muss richtig eingestellt sein
    • Nicht jede Schiene hilft!
  2. Stress-Management

    • 80% der CMD-Patienten knirschen bei Stress
    • Progressive Muskelentspannung
    • Biofeedback-Übungen
  3. Monitoring

    • Check-up alle 4-6 Wochen
    • Kiefer- UND HWS-Befund

Frequenz: 1x alle 4-6 Wochen

3 Selbsttests: Haben Sie CMD mit HWS-Beteiligung?

Test 1: Mundöffnungs-Test

Durchführung:

  1. Stapeln Sie 3 Finger übereinander (Zeige-, Mittel-, Ringfinger)
  2. Versuchen Sie, alle 3 Finger VERTIKAL zwischen die Schneidezähne zu bekommen
  3. Mund so weit wie möglich öffnen

Positiv wenn:

  • Nur 2 Finger passen (<35mm Öffnung)
  • Kieferknacken beim Öffnen
  • Abweichung des Unterkiefers zur Seite

Was es bedeutet: Eingeschränkte Kiefergelenk-Mobilität, wahrscheinlich CMD

Test 2: Kaumuskel-Palpations-Test

Durchführung:

  1. Finger auf Wangenmuskel (M. masseter) legen
  2. Zähne zusammenbeißen (Sie spüren Muskel sich anspannen)
  3. Entspannen
  4. Jetzt: Sanften Druck auf entspannten Muskel ausüben
  5. Beide Seiten vergleichen

Positiv wenn:

  • Deutlich druckempfindlich (mehr als nur unangenehm)
  • Schmerz strahlt in Schläfe/Ohr/Nacken aus
  • Eine Seite deutlich härter als die andere

Was es bedeutet: Myofasziale Triggerpunkte im Kaumuskel

Test 3: Atlas-Kiefer-Verbindungs-Test

Durchführung:

  1. Finger an Atlas legen (hinter/unter Ohrläppchen, beidseitig)
  2. Mund weit öffnen
  3. Mund schließen
  4. Bewegung des Atlas unter den Fingern spüren

Positiv wenn:

  • Atlas bewegt sich asymmetrisch (eine Seite mehr als andere)
  • Knacken im Kiefergelenk gleichzeitig mit Atlas-Bewegung
  • Nackenschmerz wird beim Öffnen/Schließen provoziert

Was es bedeutet: Biomechanische Kopplung zwischen Kiefer und Atlas gestört

Die Schienen-Falle: Warum viele Aufbissschienen nicht helfen

Standard-Aufbissschiene vom Zahnarzt:

  • Schützt Zähne vor Abrieb ✓
  • Reduziert Kiefergelenk-Belastung ✗ (oft nicht!)
  • Behandelt CMD-Ursache ✗

3 häufige Probleme:

Problem 1: Falsche Schienen-Art

"Knirscherschiene" (Hart-Schiene):

  • Schützt Zähne
  • Kann aber Kiefergelenk mehr belasten
  • Bei anterior verlagerten Diskus kontraindiziert

"Entspannungsschiene" (Weich-Schiene):

  • Fühlt sich angenehm an
  • Problem: Patienten kauen mehr (Kaugummi-Effekt)
  • Muskulatur wird stärker belastet

Richtig: CMD-Schiene nach Diagnose

  • Bei Diskusverlagerung: Repositionsschiene
  • Bei Muskel-CMD: Distraktionsschiene
  • Bei Bruxismus: Stabilisierungsschiene

Problem 2: Schlechte Einstellung

Häufige Fehler:

  • Schiene sitzt zu hoch → Kiefer zu weit geöffnet → Gelenk überlastet
  • Schiene sitzt zu tief → Keine Entlastung
  • Okklusion (Aufbiss) nicht ausbalanciert → Einseitige Belastung

Folge: Symptome werden schlimmer, nicht besser.

Problem 3: Schiene ohne manuelle Therapie

Die Schiene allein:

  • Verhindert weitere Verschlechterung
  • Behandelt aber nicht die bestehende Dysfunktion

Vergleich:

Schiene = Schmerzmittel
Manuelle CMD-Therapie = Operation

Beide haben ihren Platz, aber Schiene allein behebt das Problem nicht.

Optimale Kombination:

  1. CMD-Schiene (nachts tragen)
  2. Manuelle Therapie (Kaumuskel-Release, Atlas-Korrektur)
  3. Eigenübungen (Kiefer-Stretching, Deep Neck Flexor Training)
  4. Haltungskorrektur (Forward Head Posture)

Wann Sie einen CMD-Spezialisten aufsuchen sollten

Rote Flaggen (sofort zum Arzt/Zahnarzt):

  • Kiefer "springt raus" (Luxation)
  • Plötzliche, massive Schmerzen im Kiefergelenk
  • Komplette Mundöffnungs-Sperre (Trismus)
  • Schwellung am Kiefergelenk

Indikationen für osteopathische CMD-Behandlung:

  • Nackenschmerzen + Kiefersymptome (Knacken, eingeschränkte Öffnung)
  • Aufbissschiene seit >3 Monaten, aber keine Besserung
  • Kopfschmerzen Schläfe/hinter Auge + HWS-Probleme
  • Tinnitus + Nackenschmerzen
  • Forward Head Posture + CMD

Ideale Zusammenarbeit:

CMD-Zahnarzt/Kieferorthopäde
↕ (Austausch)
Osteopath/Physiotherapeut

Zahnarzt: Schiene, Okklusion, Zahnstellung
Osteopath: Kaumuskulatur, HWS, Faszien, Atlas

In meiner Praxis:

  • Enge Kooperation mit CMD-Zahnärzten in Hamburg
  • Gegenseitige Überweisungen
  • Gemeinsame Behandlungsplanung bei komplexen Fällen

Prävention: 5 Maßnahmen gegen CMD-HWS-Teufelskreis

1. Ergonomie am Arbeitsplatz

Monitor-Position:

  • Oberkante auf Augenhöhe
  • Abstand: eine Armlänge
  • Leicht nach oben schauen (5-10°), NICHT nach unten

Telefon/Smartphone:

  • NIEMALS zwischen Schulter und Ohr klemmen
  • Headset verwenden
  • Smartphone auf Augenhöhe halten

2. Stress-Reduktion

Warum wichtig:

  • 80% knirschen/pressen bei Stress
  • Oft unbewusst (tagsüber!)
  • "Zähne zusammenbeißen" (wörtlich)

Strategien:

  • Progressive Muskelentspannung (PMR)
  • Achtsamkeitsübung: "Lippen zusammen, Zähne auseinander"
  • Regelmäßige Pausen (Pomodoro-Technik)

3. Kiefer-Bewusstheit

Tages-Check (jede Stunde):

  1. Wo ist meine Zunge? (Richtig: Am Gaumen, hinter Schneidezähnen)
  2. Berühren sich meine Zähne? (Richtig: NEIN! 1-2mm Abstand)
  3. Ist mein Kiefer entspannt? (Richtig: Unterkiefer hängt locker)

4. Nackenmuskulatur-Training

Tiefe Nackenflexoren stärken:

  • Deep Neck Flexor Training (täglich 5 Min)
  • Verhindert Forward Head Posture
  • Entlastet Kiefer indirekt

5. Regelmäßige Kontrolle

Jährlicher CMD-Check:

  • Mundöffnung messen
  • Kaumuskel-Palpation
  • HWS-Rotation testen
  • Früherkennung verhindert chronische Verläufe

Zusammenfassung: Das müssen Sie wissen

Schlüssel-Erkenntnisse:

  1. 70% der CMD-Patienten haben HWS-Probleme – die Systeme sind untrennbar verbunden
  2. 4 Mechanismen – muskulär, neurologisch, biomechanisch, ligamentär
  3. Schiene allein reicht nicht – manuelle Therapie essentiell
  4. Kiefer UND Nacken behandeln – isolierte Behandlung scheitert
  5. Forward Head Posture – verstärkt CMD massiv
  6. Behandlungsdauer: 12-24 Wochen – keine Schnelllösung

Handlungsschritte:

  1. Selbsttest durchführen (Mundöffnung, Kaumuskel-Palpation)
  2. Bei Verdacht: CMD-Zahnarzt + Osteopath/Physio aufsuchen
  3. Schiene überprüfen lassen (richtige Art? Richtige Einstellung?)
  4. Eigenübungen starten (Kiefer-Stretching, Deep Neck Flexor Training)
  5. Ergonomie optimieren (Monitor, Smartphone-Nutzung)

Häufige Fragen

Kann CMD wieder vollständig verschwinden?

Ja, wenn frühzeitig behandelt (innerhalb 1-2 Jahre). Bei länger bestehender CMD (>5 Jahre) mit Gelenkveränderungen: Symptomfreiheit möglich, aber strukturelle Veränderungen bleiben.

Muss ich die Schiene für immer tragen?

Kommt drauf an:

  • Bruxismus (Zähneknirschen): Ja, als Zahnschutz
  • CMD mit Diskusverlagerung: Oft ja, aber Symptome werden besser
  • Rein muskuläre CMD: Nach 12-24 Monaten oft nicht mehr nötig

Wie lange dauert die Behandlung?

Realistische Zeitlinie:

  • Erste Besserung: 2-4 Wochen
  • 60% Besserung: 8-12 Wochen
  • 80-90% Besserung: 6-9 Monate
  • Vollständige Stabilisierung: 12-24 Monate

Hilft eine Operation?

Nur in <5% der Fälle notwendig (z.B. bei Gelenkzerstörung, Ankyhose). Immer zuerst konservativ behandeln! Kiefergelenk-OP hat hohe Komplikationsrate.

Kann ich die Übungen auch ohne Therapeuten machen?

Kiefer-Stretching und Deep Neck Flexor Training: Ja, sicher. Intraoral-Behandlung (M. pterygoideus): NEIN, nur vom Therapeuten.


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Wissenschaftliche Quellen:

  1. Silveira A, Gadotti IC, Armijo-Olivo S, et al. "Jaw dysfunction is associated with neck disability and muscle tenderness in subjects with and without chronic temporomandibular disorders." BioMed Research International. 2015;2015:512792.

  2. La Touche R, París-Alemany A, von Piekartz H, et al. "The influence of cranio-cervical posture on maximal mouth opening and pressure pain threshold in patients with myofascial temporomandibular pain disorders." The Clinical Journal of Pain. 2011;27(1):48-55.

  3. Olivo SA, Bravo J, Magee DJ, et al. "The association between head and cervical posture and temporomandibular disorders: a systematic review." Journal of Orofacial Pain. 2006;20(1):9-23.

  4. Kraus SL. "Cervical spine influences on the craniomandibular region." Craniomandibular Disorders and Orofacial Pain. Gaithersburg, MD: Aspen Publishers; 1988:325-412.

  5. von Piekartz H, Hall T. "Orofacial manual therapy improves cervical movement impairment associated with headache and features of temporomandibular dysfunction: A randomized controlled trial." Manual Therapy. 2013;18(4):345-350.


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Wenn Sie mehr über die Grundlagen und Prinzipien der Osteopathie in Hamburg erfahren möchten, lesen Sie unseren ausführlichen Artikel über die drei Säulen der Osteopathie, Behandlungsmethoden und Anwendungsgebiete.


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